Oktober 2026
Ein Walross auf einer Eisscholle.
Das war einer von sechs Hintergründen, die Forscher der Durham University 167 Menschen vorgelegt haben. Die Frage war simpel: Wie vertrauenswürdig und wie kompetent wirkt die Person davor? Die Arbeit von Paddy Ross, Abi Cook und Meg Thompson erschien im September 2023 in der Fachzeitschrift PLOS ONE.
Das Walross hat verloren. Das war zu erwarten.
Interessanter ist, was dahinter kam.

Getestet wurden sechs Varianten: das eigene Wohnzimmer, dasselbe Wohnzimmer unscharf gestellt, ein Bücherregal, Zimmerpflanzen, eine leere Wand und das Walross.
Bei der Vertrauenswürdigkeit lagen Pflanzen und Bücherregal vorn, und zwar gleichauf — zwischen den beiden gab es keinen messbaren Unterschied. Ganz unten landeten das sichtbare Wohnzimmer und das Walross.
Bei der Kompetenz verschiebt sich das Bild. Und genau da wird es für alle interessant, die vor einer weißen Wand sitzen.
Sie schnitt bei der Kompetenz gut ab, zusammen mit Bücherregal und Pflanzen. Bei der Vertrauenswürdigkeit nicht. Wer vor einer kahlen Fläche sitzt, wirkt also fähig — aber nicht besonders nahbar.
Das ist keine Kleinigkeit. In einem Erstgespräch mit einem Kunden brauchen Sie beides.
Der unscharf gestellte Hintergrund, die bequemste Lösung von allen, landete bei der Kompetenz im unteren Bereich. Direkt neben dem unaufgeräumten Wohnzimmer, das er eigentlich verstecken soll. Weichzeichnen hilft also nicht. Es verschiebt das Problem nur.
Über alle Hintergründe hinweg wurden Frauen als vertrauenswürdiger bewertet, Männer als kompetenter. Das sagt wenig über die Menschen auf den Fotos und einiges über die, die sie beurteilt haben. Die Autoren schränken selbst ein, dass sie die Gesichter vorher nicht auf Attraktivität geprüft haben, und Attraktivität färbt bekanntlich auf die Einschätzung von Kompetenz ab.
Wir erwähnen das, weil eine Studie, die man zitiert, vollständig zitiert gehört.
Noch eine Zahl aus derselben Arbeit, die weniger überrascht, aber praktisch ist: Lächelnde Gesichter wurden sowohl vertrauenswürdiger als auch kompetenter eingeschätzt als neutrale. Die Wand ist also nicht alles.
Kein Gemälde, keine Fotografie, nichts. Sechs Hintergründe, und keiner davon ein Kunstwerk.
Das ist bezeichnend. In Untersuchungen zu Arbeitsumgebungen taucht Kunst fast nie als eigene Kategorie auf — obwohl sie genau das auslösen müsste, was Pflanzen und Bücher ausgelöst haben: den Eindruck, dass hinter der Kamera jemand sitzt, der Entscheidungen trifft.
Ein Bücherregal sagt: Ich lese. Eine Pflanze sagt: Ich kümmere mich um etwas. Ein Originalgemälde sagt beides und noch etwas Drittes — ich habe mich für genau dieses entschieden und gegen alle anderen.
Beweisen können wir das nicht, niemand hat es getestet. Aber von allen Dingen, die man sich hinter den Schreibtisch hängen kann, ist ein Original das einzige, das es kein zweites Mal gibt.


Die meisten Menschen richten die Kamera auf sich und denken über Licht und Bildausschnitt nach. Was hinter ihnen hängt, ist Zufall — die Wand, die eben da war.
Dabei nimmt der Hintergrund im Bild mehr Fläche ein als das Gesicht.
Wenn Sie viel in Videokonferenzen sitzen, drehen Sie den Schreibtisch einmal um neunzig Grad und schauen Sie, was dann im Bild ist. Oft steht die bessere Wand längst im Raum, die Kamera zeigt nur in die falsche Richtung.
Und wenn an dieser Wand nichts hängt, ist das der günstigste Moment, daran etwas zu ändern.
Wir vermieten seit 1992 Originale, seit 2000 aus unserer Galerie in Berlin-Pankow. Werke von Oliver Lipinski, H. Pastor und A.R. Stern, ab 25 Euro im Monat.
Fürs Homeoffice heißt das: Wir kommen vorbei, sehen uns die Wand hinter Ihrem Schreibtisch an und bringen mehrere Werke mit. Eines bleibt 14 Tage da, kostenlos, ohne Kaufzwang. Nach zwei Wochen wissen Sie, ob es passt — und Ihre Gesprächspartner haben es bis dahin schon zwei Wochen lang gesehen.
Quelle: Ross, P., Cook, A., Thompson, M. u. a.: Virtual first impressions: Zoom backgrounds affect judgements of trust and competence, PLOS ONE, September 2023. Durham University.